Auf dem Gelände des Langen Jammers an der Ecke Fuhlsbüttler Straße und Hebebrandstraße erfolgte am 24. September nach längerer Planung der Spatenstich für den neuen Bürostandort für Gesellschaften der französischen Société Générale-Gruppe – darunter die Hanseatic Bank und die Bank Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (BDK). Hier soll bis Frühjahr 2022 eine moderne Büroimmobilie entstehen. Der neue Bürocampus wird Platz für insgesamt rund 1.700 Arbeitsplätze bieten.

Dr. Andreas Dressel

In seiner Ansprache betonte Hamburgs Finanzsenator Dr. Andreas Dressel, dass die Vielzahl an dort entstehenden und gehaltenen Arbeitsplätzen Hoffnung für den Finanzplatz Hamburg macht. Aber die hochattraktiven Arbeitsplätze trügen nicht nur dazu bei, sondern leisteten auch einen Beitrag zur positiven Entwicklung des Stadtteils. Das Projekt stünde in Abstimmung mit der Hochbahn und der geplanten U5. Besonders hervor hob Alexander Otto, CEO ECE-Projektmanagement, dass sich das Gebäude mit seiner typischen Backsteinfassade in die gewachsene architektonische Umgebung in Barmbek einfügen soll. Von innen sollten flexible Grundrisse und modulare Gebäudestrukturen aktuellen Anforderungen genügen. Auch die Nachhaltigkeit des Gebäudes hat einen hohen Stellenwert: Planungen zufolge soll das Gebäude unter hohen Standards realisiert werden, damit es bei Fertigstellung das DGNB-Gold-Zertifikat erhält.

Die Baustelle mit den Landarbeiterhäusern im Hintergrund

Offene Frage ist für mich lange Zeit gewesen, wie die historischen Landarbeiterhäuser ins Projekt einbezogen werden sollte, die heute noch, aber ursprünglich von den finanziell besser gestellten Barmbekern gern als „Langer Jammer“ bezeichnet werden und wurden. Schließlich sind die ehemaligen Landarbeiterhäuser auf dem Gelände Ecke Fuhlsbüttler Straße/Hebebrandstraße eine architektonische Besonderheit in Barmbek: Die Wohnungen sind die letzten erhaltenen ihrer Art. Sie boten ihren früheren Mietern trotz der schlichten Ausstattung doch einige Vorteile: Im eigenen Garten konnte man Obst und Gemüse heranziehen und in geringer Zahl auch Kleintiere wie Kaninchen oder Hühner halten.

Weil ich mich seit vielen Jahren für den Erhalt der ehemaligen Landarbeiterhäuser einsetze, freue ich mich, dass der dort entstehende Bürocampus zumindest einen Riegel in das Konzept mit einbezieht, saniert und architektonisch integriert. Eine Nutzung als Kita, Caféteria oder Coworking-Space wird diskutiert. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass der verbleibende Riegel der Landarbeiterhäuser auf die ein oder andere Weise der Öffentlichkeit zugänglich bleibt. Fest steht: Am Tag der Museen kann jeder Hamburger und jede Hamburgerin den “Langen Jammer” besuchen!

5 Kommentare
  1. Michael Kahnt
    Michael Kahnt sagte:

    Hallo Herr Tode,
    wieder einmal wird ein Grundstück in optimaler Lage nicht für den Wohnungsbau genutzt. Da entsteht für mich die Frage, wenn sich Hamburg diesen sinnlosen Umgang mit Flächen leisten kann, dann kann es mit der Wohnungsnot und dem fehlenden Baugrund nicht so weit her sein?
    Auf der Homepage der ECE kann man sich die Visualisierungen des geplanten Neubaus anschauen. Wie sich dieser “mit seiner typischen Backsteinfassade in die gewachsene architektonische Umgebung in Barmbek einfügen soll” erschließt sich mir nicht. Aus meiner Sicht fügt sich da nichts ein, außer dass die Fassade dem geraden Verlauf der angrenzenden Straßen folgt.
    Aber immerhin bleibt ein Riegel der ursprünglich denkmalgeschützten ehemaligen Landarbeiterhäuser stehen. Das wird die Menschen und die Familien, die in Barmbek auf der Suche nach neuem Wohnraum und einer lebenswerten Stadt sind, freuen. Vielen Dank.
    Mit freundlichen Grüßen
    Michael Kahnt

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    • Sven Tode
      Sven Tode sagte:

      Hallo Herr Kahnt,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Wohnungsbau hat für uns höchste Priorität. In unmittelbarer Nachbarschaft entsteht gerade das Pergolenviertel – mit 1.400 Wohnungen für Barmbeker/innen. Davon werden mindestens 1/3 Sozialwohnungen sein. Auf der von Ihnen genannten Fläche konnte ein Teil der Landarbeiterhäuser erhalten werden. Ich habe mich persönlich sehr für den Erhalt dieser Häuser eingesetzt. Diese Häuser sind für den Stadtteil wichtig (als Landmarke und historisches Erbe) – unser gemeinsamer Kampf für den Erhalt hat sich gelohnt. Vor Ort werden 1700 Arbeitsplätze geschaffen – das hilft auch den Menschen. In das Projekt einbezogen wird ein denkmalgeschütztes historisches Landarbeiterhaus, das saniert und ebenfalls durch die zukünftigen Mieter genutzt wird. Seit 2011 hat die SPD voll auf Wohnungsbau gesetzt. Heute sehen wir, wie wichtig es war, diesen Weg zu gehen: Während in Berlin die Mieten zuletzt um 5,2 Prozent gestiegen sind, betrug der Anstieg in Hamburg nur 2,6 Prozent. Hamburg deckt durch sein Wohnungsbauprogramm bereits heute 86 Prozent des Bedarfs. Bei gleichbleibender Bautätigkeit werden wir 2021 zu 100 Prozent den Bedarf an Wohnraum decken. Das ist im Vergleich der Großstädte der beste Wert. Berlin erreicht auch hier nur 73 Prozent und müsste noch mehr bauen, um den Bedarf zu decken. Die Gründe hierfür sind klar: Von den knapp 1,55 Milliarden Euro, die in den letzten neun Jahren in den Wohnungsbau geflossen sind, wurden über 950 Millionen Euro in Neubaumaßnahmen für geförderten Wohnraum investiert. Der Bau barrierefreier Seniorenwohnungen wurde mit über 183 Millionen Euro unterstützt. Mit fast 100.000 genehmigten Wohneinheiten seit 2011 kann man mit Fug und Recht behaupten: Das Hamburger Bündnis für das Wohnen, mit seinem Drittelmix aus öffentlich geförderten, frei finanzierten und Eigentumswohnungen, ist ein großer Erfolg. Daran hat auch der städtische und gemeinwohlorientierte Wohnungsbau seinen Anteil. Während die SAGA 2010 den Wohnungsbau nahezu eingestellt hat, baut sie heute wieder 3.000 Wohnungen jährlich. In Zukunft wollen wir als SPD auch den Bau von Sozialwohnungen deutlich steigern und das günstige Wohnsegment der Hamburg-Wohnungen einführen. In den 20er-Jahren wollen wir hier 4.000 Wohnungen pro Jahr fertigstellen. Wir haben in den 10er-Jahren dafür gesorgt, dass der Hamburger Wohnungsmarkt unter schwierigen Rahmenbedingungen intakt bleibt und Balance hält sowie zugleich den Mieterschutz gestärkt. Wir werden weiterhin dafür Sorge tragen, dass alle Menschen in Hamburg bezahlbaren Wohnraum finden können. Dabei wird uns auch das neue Bindungsverlängerungsprogramm helfen, mit dem bereits die Förderung für 1.000 Sozialwohnungen verlängert werden konnte.
      Mit freundlichen Grüßen
      Sven Tode

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      • Michael Kahnt
        Michael Kahnt sagte:

        Sehr geehrter Herr Tode,
        vielen Dank für Ihre Antwort.
        Ihre Antwort zeigt mir aber, dass Sie, genauso wie viele andere Politiker, nicht verstehen, was die Bürger wollen. In meinem Beitrag ging es nicht um Hamburg, nicht um Berlin, nicht darum was wann war oder wer wann was gebaut hat. Es ging mir um dieses eine Projekt in meiner unmittelbaren Nachbarschaft. Das ist mir wichtig. Das interessiert mich. Fakt ist. Die Fläche ist für den Wohnungsbau verloren. Die Gestaltung der Fassade hat auch nicht im Ansatz etwas mit der architektonischen Umgebung zu tun. Und der Erhalt der ehemaligen Landarbeiterhäuser ist leider nur zum Teil gelungen.
        Mit freundlichen Grüßen
        Michael Kahnt

        Antworten
        • Sven Tode
          Sven Tode sagte:

          Sehr geehrter Herr Kahnt,

          vielen Dank für Ihren weiteren Kommentar.

          Gern möchte ich zur Versachlichung beitragen. Leider ist auf dem von Ihnen genannten Grundstück kein Wohnungsbau erlaubt, da dieses Gebiet im Bebauungsplan als Kerngebiet ausgewiesen ist. Im Kerngebiet dürfen Gewerbebauten errichtet werden. Das können Sie in der Antwort des Senates auf eine Kleine Anfrage der LINKEN zu diesem Grundstück aus dem Jahr 2016 nachlesen. Über Geschmack lässt sich immer streiten: Die Einflussmöglichkeiten der Verwaltung sind begrenzt, wie der Eigentümer des Grundstücks seine Gebäude architektonisch ausgestaltet und welche Art von Gewerbebauten dort errichtet werden. Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland schützt mit Art. 14 GG die Eigentumsrechte des Grundstücksinhabers, sodass die Befugnisse der Politik und Verwaltung in diesem speziellen Fall sehr eingeschränkt sind. Demokratie lebt vom Kompromiss und der Bereitschaft zu einer sachlichen, wertschätzenden Auseinandersetzung.
          Sie sehen, wie passend der Slogan der SPD Hamburg ist: “Die ganze Stadt im Blick”. Das möchte ich für mich als Wahlkreisabgeordneter ergänzen um “Engagiert vor Ort”. Ohne meinen persönlichen Einsatz wären die Landarbeiterhäuser vollkommen verschwunden.

          Mit freundlichen Grüßen
          Sven Tode

          Antworten
  2. Michael Kahnt
    Michael Kahnt sagte:

    Sehr geehrter Herr Tode,
    vielen Dank für Ihre Antwort. Damit sind die Fragen und Einwände, die ich in meinem ersten Kommentar hatte, beantwortet.
    Mit freundlichen Grüßen
    Michael Kahnt

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