Das Rote Sofa – Barmbeker Klönschnack mit Sven Tode

Für meine Veranstaltungsreihe “Das Rote Sofa – Barmbeker Klönschnack mit Sven Tode​” lade ich Gäste aus Politik und Gesellschaft ein, um in entspannter Atmosphäre zu diskutieren. Die Gäste bringen ihre Expertise in einem kurzen Vortrag ein, danach wird die Runde für Fragen und Beiträge aller Anwesenden geöffnet.

"Schulfrieden in Hamburg?!" mit Ties Rabe (Schulsenator)

Sven Tode hatte am 22. September 2014 zu seiner beliebten Veranstaltung "Das Rote Sofa - Barmbeker Klönschnack mit Sven Tode" eingeladen, dieses Mal zum Thema "Schulfrieden in Hamburg?!". Als Gast auf dem roten Sofa konnte er Schulsenator Ties Rabe begrüßen.
Die Fragen aus dem Publikum beantwortete Ties Rabe sachkundig und ausführlich. Die Bilanz in der Schulpolitik des Senats kann sich sehen lassen. So hat der Senat es geschafft, Schulfrieden herzustellen, damit diese sich inhaltlich entwickeln können. Aufgezwungende Schulstrukturdebatten - wie jetzt zum Thema G8 und G9 an den Gymnasien – helfen den Schulen nicht, sondern vielmehr, wenn das Innenleben der Schulen verbessert wird. G8 bedeutet, dass die Schüler gegenüber G9 etwa 20 Minuten täglich mehr lernen müssen. Deshalb lehnen Elternkammern, Schülerkammer und Lehrerkammer eine Veränderung der Schulstrukturen mit überwältigender Mehrheit ab. Die SPD nimmt die Sorgen von Eltern sehr ernst und hat konkrete Verbesserungen auf den Weg gebracht: Mehr als fünf Stunden Hausaufgaben in der Woche darf es nicht geben. Klausuren dürfen sich nicht ballen: Maximal zwei Klausuren pro Woche sind erlaubt. Für die Klassen 5 bis 10 darf der Unterricht nicht mehr als 34 Unterrichtsstunden pro Woche bei zwei Fremdsprachen betragen. Unterricht, Lern- und Ruhephasen müssen sinnvoll aufeinander abgestimmt sein. Weitere konkrete Verbesserungen für die Schulen in Hamburg: So wird die Ganztagsschule von den Eltern und Schüler sehr gut angenommen. Wir haben jetzt 200 Ganztagsschulen. 44.000 Grundschüler, das sind 3/4 aller Grundschüler nehmen dieses Angebot an (die Teilnahme ist freiwillig). Jetzt sind maximal 21 Schüler in einer Grundschulklasse gegenüber 26 unter Schwarz-Grün. Es wurden insgesamt 1400 neue Lehrer eingestellt. Das bedeutet, dass auf einen Lehrer neun Schüler kommen. Das ist bundesweit der beste Wert in Deutschland. Endlich wird der Sanierungsstau behoben und der Ausbau der Schulen begonnen. Insgesamt werden bis 2019 insgesamt 2,5 Mrd. Euro in größere Räume und etwa 200 Schulkantinen investiert. Inklusion an den Stadtteilschulen wurde durch die Bereitsstellung von mehr Lehrkräften ermöglicht. Jetzt findet eine Qualitätskontrolle an den Schulen durch Vergleichsarbeiten statt, d.h. an allen Schulen finden zentrale Tests statt, ob der Lernstoff beherrscht wird. Fortbildungsangebote für Lehrer wurden verbessert. Wert legt der Senat auf Rechtschreibung und Mathematik. Im Anschluß an dem Klönschnack auf dem Roten Sofa wurde bei Wasser, Wein und Brezeln munter weiter gesprochen.

"Welche Kultur braucht Hamburg?" mit Isabella Vértes-Schütter (MdHB)

"Wie weiter in Barmbek?" mit Harald Rösler (Bezirksamtsleiter)

So voll war es im Büro von Sven Tode noch nie! Mit rund 50 Besucherinnen und Besuchern war auch der letzte Notsitz noch belegt, als es am 29. Oktober 2013 wieder hieß: „Auf dem Roten Sofa – Barmbeker Klönschnack mit Sven Tode“. Viele engagierte Barmbekerinnen und Barmbeker sind nicht nur zum Zuhören gekommen, sondern haben Gast und Gastgeber mit vielen kritischen Fragen gelöchert. Ob Wohnungsbau, die Neubauten und Sanierungen rund um den Barmbeker Bahnhof und die Fuhlsbüttler Straße, die Verkehrssituation oder die Entwicklung des Einzelhandels: Alles kam zur Sprache – und zu allem hatte Harald Rösler kompetente und fundierte Antworten parat. So verwies er etwa beim Thema Mietenanstieg auf die Vorbereitungen für eine Soziale Erhaltungsverordnung in Barmbek. Naturgemäß konnte natürlich nicht jede Antwort es jedem Recht machen, zumal auch im Publikum selbst ganz unterschiedliche Meinungen herrschten: Während der eine den drohenden Verlust von Parkplätzen durch Neubauten beklagte, begrüßten andere genau dies und forderten eine stärkere Förderung von Fahrrad- und Busverkehr anstelle der klassischen Priorität auf den Autoverkehr. Es gab aber auch Lob: Eine Besucherin freute sich ausdrücklich über die schönen neuen Park- und Grünanlagen am Osterbekkanal und am Langenfort!

"Religion und Politik" mit A. Stoltenberg (Landespastorin) und H.-P. Strenge (Bezirksamtsleiter a.D.)

"Wie viel Religion verträgt die Politik? Wie viel Politik verträgt die Religion?" – unter diesem Motto stand der Abend des 18. Aprils 2013. „Das Rote Sofa – Barmbeker Klönschnack mit Sven Tode“ zog zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger an, die in entspannter Atmosphäre Dr. Sven Tode mit Landespastorin Annegrethe Stoltenberg und Hans-Peter Strenge, Bezirksamtsleiter a.D. und früheren Synodenpräsidenten der Nordelbischen Kirche diskutieren hören wollten.
Annegrethe Stoltenberg stieg mit einem biblischen Zitat in die Diskussion ein und verdeutlichte, wie politisch Religion eigentlich ist. Sie versteht sich als Korrektiv der Gesellschaft und tritt dort in Aktion, wo arme oder benachteiligte Menschen mit gesellschaftlichen Problemen konfrontiert werden. Auch in Hamburg nimmt die evangelische Kirche ihren biblisch begründeten Auftrag wahr und betreibt Altenpflege, Kindergärten, Seelsorge usw. Bei so vielfältigen Aufgaben verwundert es nicht, dass das Diakonische Werk der evangelischen Kirche mit mehr als 450.000 Mitarbeitern zu den größten Arbeitgebern Deutschlands zählt. Hans-Peter Strenge betonte zuvor die enorme Bedeutung der Kirchen und christlichen Werte für unsere Gesellschaft. Präambel und einige Artikel des Grundgesetzes verweisen direkt auf Gott, sodass eine widerspruchsfreie Trennung zwischen Staat und Kirche, wie z.B. in Frankreich, nur schwer möglich ist. Ein Beispiel dafür bildet die Kirchensteuer, die von den christlichen Kirchen und den jüdischen Gemeinden genutzt wird. Sie unterstreicht die enge Verbundenheit zwischen Religionsgemeinschaft und Staat, denn sie ist ein staatliches Instrument zur Kirchenfinanzierung. Bis zu 85% des verfügbaren Budgets wird aus der Kirchensteuer gewonnen und so wiesen Frau Stoltenberg und Herr Runde darauf hin, wie wichtig die Kirchensteuer für diakonische Arbeit ist.
Nach einer guten Stunde schaltete sich das interessierte Publikum in die Diskussion ein und führte sie in eine andere Richtung. Krieg und Frieden wurde ebenso lebhaft diskutiert wie die kirchlichen Verstrickungen während der nationalsozialistischen Herrschaft oder welche Möglichkeiten die Kirche zur Meinungsbildung tatsächlich hat. Es wurde ein öffentliches Bekenntnis zu Frieden und Verständigung gefordert, auch gegenüber der Politik.

"150 Jahre SPD" mit Helga Kutz-Bauer (ehem. MdHB) und Ortwin Runde (ehem. Erster Bürgermeister)

Am 18. März 2013 startete die Veranstaltungsreihe mit einer Reise zu den Wurzeln der Hamburger SPD. Helga Kutz-Bauer war über viele Jahre die Leiterin der Hamburger Landeszentrale für Politische Bildung. Als Pensionärin ist sie vor allem als Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft ehemals verfolgter Sozialdemokraten (AvS) in Hamburg aktiv. Mit profundem historischem Wissen zeichnete sie auf eine sehr lebendige Weise die Anfänge der Sozialdemokratie und ihre Entwicklung in Hamburg bis heute nach. Ortwin Runde schilderte dann anschaulichs einen Werdegang in der Hamburger SPD seit den 1960er Jahren bis heute, vom Barmbeker Jungsozialisten bis zum Bürgermeister und Bundestagsabgeordneten. Durchaus typisch für viele aus seiner Generation hat er über die Studentenbewegung 1968 den Weg in die Sozialdemokratie gefunden. Er wollte die Gesellschaft verändern, inspiriert von Willy Brandts Reformpolitik und seinem Leitmotiv „Mehr Demokratie wagen”, der damals viele Menschen begeisterte.
Im Rückblick auf die wechselvolle Geschichte der SPD und ihre nicht minder reichen persönlichen Erfahrungen waren wir uns alle mit Helga und Ortwin einig, dass es für die SPD auch in Zukunft darauf ankomme, in ihren traditionellen Grundwertenverwurzelt zu bleiben und zugleich stets „auf der Höhe der Zeit zu sein, wenn Gutes für die Menschen bewirkt werden soll“, wie es Willy Brandt einst so trefflich ausdrückte. Aus ihrenWurzeln zieht die Sozialdemokratie die Kraft, um auch in den kommenden Jahrzehnten Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität zu behaupten und zu erweitern – in Hamburg, Deutschland, Europa und in der Einen Welt.