Bild:Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule

Ein Stück jüdischer Geschichte Hamburgs erlebten wir in der „Gedenkstätte israelitische Töchterschule“, die wir am 19. Februar im Rahmen unseres Kulturprogramms besuchten. Die Schule in der Karolinenstraße 35 wurde 1884 als Armenschule für jüdische Mädchen eingerichtet; noch bis 1942 wurden hier jüdische Kinder unterrichtet. Eindrucksvoll stellt die Ausstellung den von Flucht, Vertreibung und Deportation geprägten Alltag junger Mädchen dar. So zeigen Fotos Kinder bei einer Schulaufführung: sie stellen die Tiere des Waldes dar, die von einer bösartigen Kröte vertrieben werden. Am Schluß singen die Kinder „wir wandern aus, wir wandern aus“. Mit dieser Aufführung möchte ein Lehrerin ihre Schülerinnen bereits 1933 auf eine Flucht vorbereiten und ihnen dafür Mut machen. Dass die Flucht indes auch nach dem Verlassen Deutschlands noch scheitern konnte, wird exemparisch an der Geschichte der „St. Louis“ gezeigt, einem Flüchtlingsschiff, dass nirgends eine Anlegeerlaubnis erhielt und schließlich nach Europa zurückkehren musste.

Auch die Berichte ehemaliger Schülerinnen, die nach dem Krieg an den Ort ihrer Ausbildung zurückgekehrt sind, finden in der Ausstellung Raum. Besonders beeindruckend die Auffschrift an der Tafel im noch erhaltenen Naturkunderaum, mit der eine ehemalige Schülerin ihren Besuch dokumentiert hat: „Ich kam, um den Ort nach 60 Jahren zu sehen. Ich habe hier 10 Jahre gelernt. Dr. Bamberger lehrte mich Naturwissenschaften in diesem Raum. Es blieben diesselben Gegenstände, dieselbe Ausrüstung und ich sehe meinen Lehrer, als ob die Zeit stillgestanden wäre.“