Spannende Diskussion im Vorfeld des Kirchentages bei Sven Tode auf dem Roten Sofa

 

DSC_0099 kleinAm 18.April 2013 war es wieder soweit. Im Abgeordneten Büro Fuhlsbüttler Straße fand zum zweiten Mal die Veranstaltungsreihe „Das Rote Sofa – Barmbeker Klönschnack mit Sven Tode“ statt. Zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger fanden sich ein um in entspannter Atmosphäre die Landespastorin Annegrethe Stoltenberg, den Bezirksamtsleiter a.D. und früheren Synoden Präsidenten der Nordelbische Kirche Hans-Peter Strenge und Sven Tode über das Thema „Politik und Kirche – Wie religiös darf Politik sein? Wie politisch muss Religion sein?“ diskutieren zu hören.

Annegrethe Stoltenberg stieg mit einem biblischen Zitat in die Diskussion ein und verdeutlichte, wie politisch Religion eigentlich ist. Sie versteht sich als Korrektiv der Gesellschaft und tritt dort in Aktion wo arme oder benachteiligte Menschen mit vielfältigsten gesellschaftlichen Problemen konfrontiert werden. Auch in Hamburg nimmt die evangelische Kirche ihren biblisch begründeten Auftrag wahr und betreibt Altenpflege, Kindergärten, Seelsorge usw. Bei so vielfältigen Aufgaben verwundert es nicht, daß das Diakonische Werk der evangelischen Kirche mit mehr als 450.000 Mitarbeitern zu den größten Arbeitgebern Deutschlands zählt.

Vor diesem Hintergrund stellte Sven Tode die berechtigte Frage: Warum gibt es dann kein Tarifrecht, aber Sonderarbeitsvertäge bei den Kirchen? Kirchen können in Deutschland ein eigenes, abweichendes Arbeitsrecht erlassen, denn das Grundgesetz räumt ihnen gemäß Artikel 137 ein Selbstordnungs- und Selbstverwaltungsrecht ein. So halten Mitarbeiter kirchlicher Einrichtungen Loyalitätspflichten ein oder verzichten auf Mitarbeitervertretungen. Die Landespastorin begründete dies einerseits mit der Vermittlung christlicher Werte als wichtigen Bestandteil der Arbeit Somit stellt die kirchliche Zugehörigkeit eine Berufsqualifikation dar. Andererseits betonte sie, daß angeschlossene Mitgliedseinrichtungen für bestmögliche Arbeitsbedingungen sorgen sollen, auch ohne Tarifvereinbarungen. Hans-Peter Runde betonte zuvor die enorme Bedeutung der Kirchen und christlichen Werte für unsere Gesellschaft. Präambel und einige Artikel des Grundgesetzes verweisen direkt auf Gott , sodass eine Wiederspruchs freie Trennung zwischen Staat und Kirche, wie z.B. in Frankreich nur schwer möglich ist Ein Beispiel dafür bildet die Kirchensteuer, die von den christlichen Kirchen und den jüdischen Gemeinden genutzt wird. Sie unterstreicht die enge Verbundenheit zwischen Religionsgemeinschaft und Staat, denn sie ist ein staatliches Instrument zur Kirchenfinanzierung. Bis zu 85% des verfügbaren Budgets wird aus der Kirchensteuer gewonnen und so wiesen Frau Stoltenberg und Herr Runde darauf hin, wie wichtig die Kirchensteuer für diakonische Arbeit ist.

Nach einer guten Stunde, schaltete sich das interessierte Publikum in die Diskussion ein und führte sie in eine andere Richtung. Krieg und Frieden wurde ebenso lebhaft diskutiert wie die kirchlichen Verstrickungen während der nationalsozialistischen Herrschaft oder welche Möglichkeiten die Kirche zur Meinungsbildung tatsächlich hat. So wurde insbesondere ihre kleinlaute, untergeordnete Stellung kritisiert. Vielmehr wurde ein öffentliches Bekenntnis zu Frieden und Verständigung gefordert, auch gegenüber der Politik.

Diakonie-Chefin Annegrethe Stoltenberg zeigt, was politisches Christentum für sie bedeutet

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