Der Auftakt zur Reihe: „Das Rote Sofa – Barmbeker Klönschnack mit Sven Tode“ wurde von den Gästen begeistert aufgenommen. Dazu trugen die lebendigen Vorträge von den Gästen Helga Kutz-Bauer und Ortwin Runde bei.

Zunächst führte Sven Tode zum Thema „150 Jahre SPD: Wurzeln und Zukunft einer großen Bewegung“ ein. Im Jahre 1870 kam jedes vierte SPD Mitglied aus Hamburg. Im Jahre 1914 waren es immerhin noch 6 %. Allein die Barmbeker SPD hatte 1910 6.800 Mitglieder (von Hamburgweit 33.600). Im Jahre 1928 hatten die Barmbeker Distrikte (so heißen die Ortsvereine in Hamburg) insgesamt 8.700 Mitglieder von 48.000. Die Mitgliederstärkste Zeit war von 1913 bis 1919 mit ca. 70.000 Parteigenossen. Für die Geschichte der Sozialdemokratie in Barmbek ist der Wohnblock Produktion des Konsum-, Bau- und Sparvereins nicht wegzudenken. Dieser Bau aus dem Jahr 1905/1906 an der Scheidestraße – zwischen Lohkoppel und Hinrichsen (BruckDSC_0044ner-) straße hatte sieben Läden, eine Gastwirtschaft und 255 Wohnungen, wovon 201 Zweizimmer-Wohnungen waren. Diese Wohnungen hatte für damalige Verhältnisse eine hohe Wohnqualität und das wichtigste: sie waren bezahlbar für Arbeiter. Schnell entwickelte sich dort eine Art proletarischer Elite. Es wohnten dort etliche Gewerkschafter und Sozialdemokraten, die es später in der Verwaltung , genossenschaftlicher Wirtschaft zu etwas gebracht hatten. 97 % der Bewohnerschaft, dieser SPD-Blöcke, waren damals Mitglied der SPD. Warauf Barmbeker wirklich stolz sein können, ist die Tatsache, dass bis zuletzt in Barmbek eine Wählermehrheit gegen Hitlers Kanzlerherschaft bestand. Noch am 05.03.1933 konnte die SPD mit 31,9 % die meisten Stimmen vor NSDAP und KPD auf sich vereinigen. Widerstand während der nationalistischen Terrorjahre gingen von den Reichsbanner-Abteilungen 10 westlich der Hamburger Straße, der 11 aus dem Dulsberg und der 23 aus Barmbek-Nord aus. Dieser heldenhafte Widerstand ist insbesondere das Verdienst von Walter Schmedemann (bis 1933 Distriktsvorsitzender von Eilbek und Bürgerschaftsabgeordneter).

Helga Kutz-Bauer erläuterte sehr plastisch, woran die Weimarer Republik scheiterte. Zum einem lag dieses an den extremen Rändern von Rechts (Nationalsozialisten) und von Links (KPD). Beide Seiten nahmen die Weimarer Republik und die sie verteidigen Parteien, wie die SPD in die Zange – bis zum Ende der ersten echten Demokratie in Deutschland.  So waren es die Sozialdemokraten als die Einzigen, die im Reichstag gegen das Ermächtigungsgesetz Hitlers (unter Lebensgefahr) stimmten.  Beispielhalt ist auch Gruppe um den Genossen Hansen aus Barmbek, die gegen den Nationalsozialismus kämpfte, um für Freiheit und Demokratie einzustehen. Als die Alliierten Deutschland vom Nationalsozialismus befreiten, wurde die SPD als erste Partei wieder zugelassen. Zu ersten großen, öffentlichen Parteiversammlung mit Kurt Schumacher kamen damals an die 100.000 Menschen zum Gewerkschaftshaus in Hamburg. Viele Menschen strömten, in den 50er Jahren, in die Parteien, auch in die SPD, die ca. 48.000 Mitglieder  in Hamburg hatte. Die Bürgermeister Brauer, Nevermann und Weichmann waren ein Glücksfall für Hamburg. Ohne sie wäre das zerstörte Hamburg nicht wieder zu einer wirtschaftlich und sozialen Metropole aufgebaut worden. Helga Kutz-Bauer war gegen den Rat Ihrer Mutter mit 21. Jahren in die SPD eingetreten, da ihre Mutter nach der Satz von einem kommunistischen Abgeordneten aus der Weimarer Zeit in den Ohren hing: „Wenn wir an die Macht kommen – hängen die Sozialdemokraten als Erstes.“

Ortwin Runde hat über die Studentenbewegung 1968 den Weg in die Sozialdemokratie gefunden. Er wollte vor allem die Gesellschaft verändern. Der Reformbegriff der 70er Jahre war einer, der die Menschen begeisterte. Willy Brandts „Mehr Demokratie wagen“ machte die Menschen stolz in Deutschland zu leben, besonders nach dem Misstrauensvotum 1972 gegen den Kanzler Brandt und dem Kniefall von Warschau. Demokratie und Mitbestimmung wurde an den Hochschulen eingeführt. Wirtschaftsdemokratie durch Mitbestimmung in den Betrieben, z.B. durch das Betriebsverfassungsgesetz. Auch Hamburg wurde durch die Sozialdemokratie geprägt. So führte Ortwin Runde als Verantwortlicher erstmals eine Sozialplanung in Hamburg ein. Als Sozial- und Finanzsenator modernisierte er die Hamburger Verwaltung, z.B. durch Einführung von IT in der Finanzverwaltung. Die Frauenbewegung ist von der SPD nicht weg zu denken. Als Bürgermeister setzte er eine paritätische Besetzung des Senates mit Frauen durch. Die Atompolitik der 7o er und 80 er Jahre lehnte er im Einklang mit Hans-Ulrich Klose ab. Obwohl Umweltschutz ein großes Thema der SPD in Deutschland war, z.B. „blauer Himmel über das Ruhrgebiet“ und Hamburg als erstes Bundesland ein Umweltministerium einführte, gelang es nicht die „Grüne Bewegung“ in die Sozialdemokratie zu integrieren. Dabei war es die SPD, die dafür sorgte, dass Hamburg – trotz großer industrieller Basis – durch massive Auflagen,  die Industrie sauberer machte. So ist jetzt die Norddeutsche Affinerie die sauberste Kupferhütte der Welt.  Die Agenda 2010 führte leider zu Austritten von Arbeitern aus der SPD. Nach seiner Meinung war zwar die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe notwendig, jedoch muss die Agenda 2010 sozialer ausgestaltet werden, z.B. gibt es zu viele Arbeitsgelegenheiten (1 Euro-Jobs), die die Menschen als Erniedrigung empfinden. Nach seinem Menschenbild können Menschen durch Freiwilligkeit stärker motiviert werden, als durch Druck von Außen.