Bürgerschaftsabgeordneter Sven Tode verlangt Offenlegung und Stopp der Abrisspläne

An der Ecke Bartholomäusstraße / Beim Alten Schützenhof steht das älteste erhaltene Mietshaus Barmbeks, erbaut 1867. Es ist das letzte Zeugnis der besonderen Bauweise der frühen Barmbeker Arbeiterquartiere. Aber nicht nur das: Berühmt ist das Haus durch den „Lord von Barmbek“ Julius Adolf Petersen, den legendären Hamburger Einbrecherkönig der 1920er Jahre, der in dem Haus seine Kneipe betrieb.

Doch nun droht dem historischen Bauwerk das Ende. Die neue private Eigentümerin hat gegenüber Mietern deutlich gemacht, dass sie das Gebäude abreißen und stattdessen neue hochpreisige Wohnungen bauen will. Und das, obwohl das Haus längst offiziell als denkmalschutzwürdig anerkannt und das Verfahren zur Erlangung des endgültigen Denkmalschutzes in vollem Gange ist.

Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete für den Wahlkreis Barmbek, Dulsberg, Uhlenhorst und Hohenfelde Dr. Sven Tode kritisiert das Vorgehen der Eigentümerin: „Schon wieder soll ein markantes historisches Bauwerk einfach abgerissen werden, nur weil dem Investor so eine höhere Rendite winkt. Aber die kulturelle Rendite für die Stadt und ihre Menschen sollte schwerer wiegen, so wie es beim Gängeviertel zum Glück entschieden wurde. Der ‚Lord von Barmbek‘ war gewiss ein Räuber – doch mit dem Abriss seines Hauses würde Barmbek ein großes Stück Geschichte und Identität geraubt werden.“

Als besonders dreist empfindet Tode die Abrisspläne vor dem Hintergrund, dass das Gebäude bereits als denkmalschutzwürdig anerkannt ist und die endgültige Einstufung zum Denkmal bald erfolgen soll: „Die neue Eigentümerin will offenbar schnell Fakten schaffen, bevor der Denkmalschutz greift. Das ist vielleicht legal, aber fair ist es nicht. Ob der ‚Lord‘ das unter seiner berühmten Ganovenehre verstanden hätte, wage ich zu bezweifeln. Ich fordere die Vermieterin deshalb auf, von ihren Plänen Abstand zu nehmen. Mit der Erhaltung und Sanierung der alten Häuser würde sie sich hingegen große Anerkennung bei den Barmbeker Bürgern erwerben.“

Außer den historisch-kulturellen Gründen sprechen aber auch soziale Gründe gegen die Pläne, so Tode weiter: „Die Eigentümerin will dort offenbar hochpreisige Wohnungen bauen. Das würde aber den drastischen Anstieg der Mieten in Barmbek weiter vorantreiben, und das brauchen wir gerade nicht. Selbst in Barmbek-Süd muss man inzwischen als Neumieter im Schnitt elf Euro pro Quadratmeter an Miete berappen, die Preise sind die letzten Jahren jeweils um fünf bis zehn Prozent gestiegen. So werden auch die alteingesessenen Bewohner verdrängt. Diese Entwicklung wollen wir stoppen, unter anderem durch mehr sozialen Wohnungsbau und eine soziale Erhaltensverordnung, für die ich mich einsetze. Weitere hochpreisige Luxuswohnungen wären da völlig kontraproduktiv. Auch deswegen lehnen wir diese Pläne entschieden ab.“